Krieg im Juni / War in June

Do., 21.06.2012 / Th., 21.06.2012
20:00-??:??

POT
Kurt-Schumacher-Str. 27
34117 Kassel
Germany
http://g.co/maps/jzxmp

 

38317: Kasseler Schule 2 / Kassel School 2

Joeres Wilky: 3 Fotos / Photos. Hiroschimaufer / Hiroschima Bank, Kassel

t-shirtz.org: PUMADIDAS

Panzerknacken: panzerknacken.blogsport.de

glitchè: JDing an einem Ende der Modernitaet / at one End of Modernness

Wo Wagen des Volkes fahren: Die so genannte “Pissmeile” / Where Vehicles
of the Volk run: The so called “Pee Mile”

 

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Pissmeile / Pee Mile

glitchè von / by 38317.tk

JDing* an einem Ende der Modernitaet / at one End of Modernness

*Jockey Discing

Feldaufnahmen der Kurt-Schumacher-Str. in Kassel werden live
am CD Spieler manipuliert. Eine A-Seite, stadtauswaerts und eine
B-Seite, stadteinwaerts.

Fieldrecordings of the Kurt-Schumacher-Str. in Kassel will be
manipulated at the CD Player. An A-Side, going out of town
and a B-Side, into town.

 

KS School

38317

Kasseler Schule 2

Raubtiernamen von Panzern in Mischpulten ohne aeusseren Eingang

Die oertliche Ruestungsindustrie verwendet fuer ihre Produkte in alter
Tradition gerne Raubtiernamen. Jetzt wird der schoene Steam-Punk der
No-Input Mixer damit in Verbindung gebracht. Mit Mischpulten, deren
Ausgang wieder in den Eingang des Geraets geht, koennen elektrische
Signale zum Knurren des Tigers, zum Schreien des Pumas und zum
Tschirpen des Gepards mutieren. Eine Vorfuehrung und eine kleine
Werkstatt zum Ausprobieren zeigen, wie das gehen kann. Das Diskutieren
darueber muss aber nicht zynisch bleiben, es kann das widerspruechlich
und wortwoertlich Fabelhafte toedlicher Waffen aufschliessen.
Genaugenommen muesste dies bereits die dritte oder vierte “Kasseler
Schule” sein. Denn nach den Landschafts- und Freiraumplanern, sowie
den Plakat- und anderen Kuenstlern kommt nun die weitere Fortsetzung
einer Anti-Institution.

 

Kassel School 2

Predator Names of Tanks in Mixers without Exterior Input

The local armaments industry uses in fine tradition names of predators
with pleasure. Now the pretty steam-punk of the No-Input Mixers is
connected with that. By means of mixing consoles whose output is led
to the input of the unit again electric signals can mutate into the growl
of the tiger, the scream of the puma and the chirp of the cheetah.
A presentation and a small workshop for trial show how it functions.
The discussion about this does not have to be a cynical one, it can
open up the contradictory and literally fabulousness of deadly
weapons instead.
Strictly speaking this had to be the third or fourth “Kassel School”
already. Because after the country and free space planners as well
as the posters- and other artists here now comes another follow-up of
an anti-institution.

http://www.n0name.de/38317/kschul2/start.html

 

Hiroshimaufer

Hiroschimaufer / Hiroshima Bank, Kassel

3 Fotos von / Photos by Joeres Wilky

 

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Panzerknacken

Panzerknacken

Projektion der Webseite / Projection of the website

http://panzerknacken.blogsport.de

 

(please scroll down for english text)

Wo Wagen des Volkes fahren: Die so genannte “Pissmeile”

Die Kasseler Altstadt muss bis in das fruehe 20. Jahrhundert ein
“Kochtopf”[1] regionaler Mundarten und damit kleinbuergerlich-
proletarischer Eigenheiten gewesen sein. Mit der als “Bombennacht”[2]
bezeichneten von 1943 wurde die Ruestungsstadt Kassel und
besonders die Kasseler Innenstadt (dort beinahe 97% Zerstoerungsgrad)
nahezu zum Ground Zero. Was jeder Bewohner mittlerweile weiss ist,
dass diese Zaesur vorbereitet war:

“In allem aber wurde staedtebaulich die Planungsskizze verfolgt, die
bereits waehrend der Zeit des Faschismus seit den 1930er Jahren
(bereits fuer die Annahme einer Kriegszerstoerung) konzipiert worden
war und bis zu Beginn des Krieges allein innerhalb der Entkernung der
mittelalterlichen Altstadt und der Schaffung des ‘Freiheiter
Durchbruchs’ umgesetzt worden war.” (Wikipedia, “Kassel”)

Diese Stadt war demnach planerisch immer Kriegsstadt, Garnisonsstadt,
Militaerstadt, Verwaltungsstadt, Esoterikerstadt, Museumsstadt,
Buergerstadt; nach 45 zur Absicherung der Restauration des deutschen
Kapitalismus. Der Wiederaufbau war also nicht einer nach einem
allgemeinen Zusammenbruch, er war Nachruestung und Aktualisierung
(das wird auch an der ehemals modernsten Strassenkreuzung Europas,
dem Altmarkt, deutlich).
Der Freiheiter Durchbruch[3] wurde Autostrasse, und entlang dieser
Vierspurigkeit wurde die “Wiederaufbaumoderne” zu Glaspavillions
fuer China Restaurants in den 1970er Jahren und fuer Fahrschulen in
den 1990ern. Die heruntergekommene Zeile wird im “Volksmund” auch
“Pissmeile” genannt, die aber bald abgerissen wird, wie man hoert.

Wenn diese Pejoration[4] der Moderne und des Modernen in der “City”
(wie die mit diesem Strassenzug konkurrierende Fussgaengerzone in den
1980ern genannt wurde) das Scheitern des monotonen Aufbaus zum
Abschluss bringt und den in Glas und Beton gestalteten Konsum jetzt
auf ein anderes vielgestaltiges Galeria-Niveau heben will (was zu
vermuten ist), dann sind wir an diesem einen Ende der Modernitaet —
das auch ein stadtlandschaftliches Ende ist, eine viel befahrene
Sackgasse oder cul-de-sac eines “PKWs Rauf und Runter, Rein und raus”
mitten in der Stadt — ernuechterndem Laerm des Autoverkehrs,
post-mixend, downpitchend[5], sehr nahe. Hier fahren zu den Siegen
der Europaeischen Meisterschaften im Fussball die ver-nationalisierten
Wagen des Volkes mit ihren Flaggen auf und ab.

Wie auf Bestellung ist in der Nachbarschaft bei Architekturstudenten
von einem Stadtplaner im weissen Hemd ein Vortrag gehalten worden,
zur Wiederbelebung, diesmal Rotterdams. Rotterdam wurde bekanntlich
im Zuge des Ueberfalls auf die Niederlande am 14. Mai 1940 durch
die deutsche Luftwaffe zerstoert. Zwischen der Kasseler Bombennacht
(22.10.1943) und dem “Rotterdam Blitz” liegen nur gute drei
Jahre. Und wie erwartet kuemmern sich diese Planer um “ungenutzte
Potentiale” und “vergessene Restraeume”.[6]
Macht man “Artgineering”?[7] Ist Bomberdroehnen post-dramatisch?
Wie weit kann Klischee gehen, wie weit glitchè?
_________________________
[1] Axel Herwig. _Das Kasseler Mundart-Woerterbuch_. Wartberg Verlag,
2005. S. 68.
[2] Der Ausdruck “Bombennacht” ist an diesem Ort doppeldeutig lesbar
oder »bumerangig« interpretierbar. Er kann gelesen werden als
“bombige Nacht”, was soviel wie einschlagende Party bedeutet und
anzeigt, wie tief sprachliche Militaria nachwirken. Und er *muss*
immer auch historisch gelesen werden, in Erinnerung an den
Zerstoerungskrieg, der zu den Deutschen in Kassel zurueckkam.
Vgl. die zwischen nostalgischer Verklaerung und Faszination
fuer den Terror des Feindes schwankende Webseite
http://www.hna.de/lokales/kassel/bombennacht .
[3] http://regiowiki.hna.de/images/a/ab/Altmarkt.jpg
[4] Die Pejoration ist eine Umdeutung, die im Sprachwandel
unbekannter Autorinnen oder dem sozialen Nicht-Autor einen
geschichtlich neutral oder positiv besetzten Begriff zu einem
negativen macht.
[5] Die Tonhoehe erniedrigend, die Abspielgeschwindigkeit
verlangsamend.
[6] http://cms.uni-kassel.de/asl/kommunikation/veranstaltungsreihen/aktuelle-veranstaltungsreihen/sub40
[7] http://www.artgineering.nl

 

Where Vehicles of the Volk run: The so called “Pee Mile”

Kassel’s old town must have been a cooking pot[1] of regional dialects
and therefore petit bourgeois-proletarian peculiarities. In a “Night
of Bombing”[2] in 1943 the Armament City of Kassel and exceedingly
the inner city (there nearly up to 97% demolition) became almost
Ground Zero. Every inhabitant knows already that this caesura was
prepared:

“All in all a sketch of town planning was pursued that was designed
during times of fascism since the 1930ies (already in expectation of
a war destruction) which was until the beginning of the war realised
alone within the enucleation of the medieval old town and the
creation of the ‘Freiheiter Durchbruch’ (‘Freedom’s Breach’).”
(Wikipedia, “Kassel”)

According to that this town was planning-related a War City, Garrison
Town, Military Town, Governing Town, Esoterics Town, City of Museums,
City of Burghers; after ’45 for the hedging of the restauration of
German Capitalism. As a result the recovery was not at all one in the
aftermath of a general collapse, it was upgrade and update (this
becomes clear by the fomerly most modern crossroads of Europe, the
Old Market).
The Freiheiter Durchbruch[3] became a road for cars and along this
four-laneness the “Modernism of Recovery” turned into Pavillions of
Glas for china restaurants in the 1970ies and driving schools in the
1990es. This shabby row is popularly called “Pee Mile” which will be
demolished soon, as being said.

When this pejoration[4] of Modernity and the Modern in the “City”
(as the pedstrian area in competition with this street was named in
the 1980ies) concludes the fail of the monotone building up and
strives to level up the consumption configured in glas and concrete
now to a multifarious Galeria-Standard (as one might presume) we are
at this one end of modernness — that is also an end of urban
landscape, a highly frequented dead end or cul-de-sac of an
“Automobiles up and down, in and out” in the middle of the town —
very close to a disillusioning noise of the car traffic, post-mixing,
downpitching. Here the nationalised Vehicles of the Volk with flags
run back and forth in the victories of the European Championships of
Football.

As if on command a talk was given by an urbanist in white shirt in
the neighbourhood, at a students of architecture’s place, on
revitalisation, this time of Rotterdam. As is known Rotterdam was
destroyed in the course of the attack of The Netherlands by the
German Airforce on May 14, 1940. Almost three years only separate
the Kassel Bombennacht (October 10, 1943) and the “Rotterdam Blitz”.
And as expected these planners care about “unxeploited
potentialities” and “forgotten leftover spaces”.[5]
Does one do “Artgineering”?[6] Is the drone of bombers post-dramatic?
How far can cliché go, how far glitchè?
_________________________
[1] Axel Herwig. _Das Kasseler Mundart-Woerterbuch (Kassel Dialect
Dictionary)_. Wartberg Verlag, 2005. P. 68.
[2] The idiom “Bombennacht” has a double meaning at this place and
can be interpreted like boomerang-shaped. It can be read as
smashing night (“bombige Nacht”) which implies how deep
linguistical militaria have effect. And it *must* be read
historically nearly always in rememberance of the war of
destruction which came back to the Germans in Kassel. Compare
the following website between nostalgic apotheosis and
fascination for the terror of the enemy:
http://www.hna.de/lokales/kassel/bombennacht .
[3] http://regiowiki.hna.de/images/a/ab/Altmarkt.jpg
[4] A pejoration is a reinterpretation which converts an historically
neutral or positive term into a negative term.
[5] http://cms.uni-kassel.de/asl/kommunikation/veranstaltungsreihen/aktuelle-veranstaltungsreihen/sub40
[6] http://www.artgineering.nl

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